Cold Brew Coffee: Wir probieren kalten Kaffee

Heute zeigt das Thermometer über 30 Grad an. Also probieren wir kalten Kaffee oder besser gesagt: "Cold Brew".

Wir haben selbst einen Kaffee kalt gebrüht sowie einige fertige Produkte gekauft und sind sehr gespannt, wie sie im Vergleich schmecken. 

 

Cold Brew - neuer Kaffee-Trend aus den USA

Im letzten Sommer schwappte der Cold Brew Coffee Trend über den großen Teich nach Deutschland. Als ich das erste Mal davon hörte, dachte ich, dass es sich einfach um kalten Kaffee handelte. Erst später lernte ich, dass "brew" (also brühen) eigentlich das falsche Wort ist, denn für diesen Kaffee wird das Kaffeepulver in kaltem Wasser extrahiert.

Am Stand der Firma Hario auf der Ambiente-Messe in Frankfurt im Januar sah ich die Glasflaschen, die sich mit einem integrierten Plastikfilter perfekt für den Cold Brew Coffee eignen. Man kann aber genauso gut eine normale Glasflasche nehmen und das Kaffeepulver mit Wasser vermischen und am Ende den kalten Kaffee durch einen Filter gießen.

 

Selbst gemachter Cold Brew

Als erstes steht die Entscheidung an, welchen Kaffee man nimmt. Ich musste sofort an den Sidamo aus Äthiopien denken, da ich diesen Kaffee sowieso gern trinke, wenn er etwas abgekühlt ist. So kommen die floralen und die fruchtigen Noten toll heraus. 

Also, Kaffee mahlen (mittlerer Mahlgrad), in den Plastikfilter der Hario Flasche füllen und mit Wasser (Zimmertemperatur) auffüllen, zuschrauben und für acht Stunden in den Kühlschrank stellen. Da das Wasser kalt ist, dauert es wesentlich länger, bis der Kaffee extrahiert wird. Merke: Für Cold Brew Coffee braucht man Zeit und Geduld.

Okay, ich gebe zu, dass ich bereits nach vier Stunden den Kaffee probierte, da mir die Geduld fehlt. Der Kaffee schmeckte aber noch ein bisschen flach. Ich musste mich also noch weiter gedulden. Nach acht Stunden die zweite Verkostung. Dieses Mal ist der Kaffee wunderbar: Am Anfang kommen blumige Noten und die Fruchtsäure durch, dann malzige Töne und ein sehr schöne geschmackliche Tiefe, die man bei normal gebrühten Kaffee meiner Meinung nach nicht erhält. Die Bitternoten sind angenehm und nicht zu dominant.

Der Cold Brew Coffee macht Lust auf mehr. Er ruft quasi nach einem Partner zum Kombinieren. Ich denke an Vanilleeis oder an einen White Russian Cocktail! Beides werde ich diesen Sommer auf jeden Fall probieren!

 

Verkostung weiterer Cold Brew Kaffees:

Wir probieren uns weiter durch vier gekaufte Cold Brew Varianten: Cold Brew "To Go" von einem Café aus unserer Nachbarschaft, ein Cold Brew eines Berliner Startups aus der Flasche, ein Cold Brew eines großen industriellen Herstellers aus einer Pappdose und einen sogenannten Nitro Cold Brew (einen mit Stickstoff versetzten Cold Brew) aus der Flasche.

Beim industriell hergestellten Kaffee sind meine Erwartungen sehr gering. In der Nase ist er süßlich: Ich rieche Schokolade und Karamell. Er schmeckt etwas abgestanden, hat aber eine angenehm cremige Konsistenz und die süßliche Note kommt ebenfalls durch. Insgesamt sind wir positiv überrascht, aber unsere Erwartung war auch sehr gerin. Insgesamt ist er im besten Fall durchschnittlich, aber immerhin trinkbar.

Der Cold Brew aus der Startup Schmiede enttäuscht uns dagegen. Er riecht sehr grün, nach unreifem Gemüse. Auch im Mund wird er leider nicht besser. Geschmacklich recht flach und sauer. Hier fehlt die geschmackliche Tiefe total. Der Kaffee kommt laut des Herstellers aus Kolumbien. Eigentlich haben kolumbianische Kaffees mehr Potenzial...schade.

Wir wenden uns dem Cold Brew "To Go" zu. Er sticht schon aufgrund seiner schwarzen Farbe hervor. Die anderen Cold Brews sind alle eher braun. Ich erwarte einen intensiven Kaffee, den ich auch bekomme. Wir drei Verkoster sind uns einig, dass dies ein toller Cold Brew ist. Er zeigt viele Facetten: Süße, fruchtig-saure und malzige Noten bilden ein harmonisches, aromatisches Gesamtbild; sehr lecker! Leider wusste die Mitarbeiterin im Café nicht, woher der Kaffee für den Cold Brew stammt. 

Als letztes öffnen wir den Nitro Cold Brew. Dieser Kaffee wird mit Stickstoff angereichert. So soll er eine cremige Konsistenz wie ein Guinness bekommen. Auch hier kommt der Trend wieder aus den USA, wo mittlerweile eine Reihe von Cafés ihn vom Zapfhahn anbieten. Der Berliner Anbieter BrewBox Berlin von Cory Andreen, den ich als Experten für das TRY Kaffee Set interviewte, bietet den Nitro Cold Brew neben der Flaschenversion auch frisch vom Hahn in Berlin an. Im Internet sehe ich Fotos, wie der Kaffee aus dem Hahn eingeschenkt in der Tat wie ein Guinness aussieht. Tiefschwarz mit einer weißen, cremigen Schaumkrone. Leider erhalten wir diesen Effekt mit der Flaschenversion nicht. Dabei hatte ich mich so auf den Kaffeeschaum gefreut. Trotzdem mag ich den Kaffee. Man merkt eine cremigere Konsistenz. Ich finde den Kaffee sehr frisch, er hat ein fruchtige Note, gepaart mit angenehmen Bitternoten. Der Kaffee für den Nitro Cold Brew stammt übrigens aus Kenia, das bekannt für fruchtige Kaffees ist. Meinem Kollegen dagegen schmeckt er nicht. Ihm ist er zu sauer und zu bitter. 

Besonders spannend ist, wie deutlich unterschiedlich die Cold Brews sind, was an vielen verschiedenen Faktoren liegt. Neben der Auswahl des Kaffee sind auch der Röstgrad, der Mahlgrad, das Verhältnis von Wasser und Kaffeemehl sowie die Extraktionszeit besonders wichtig. 

 

Tipps für die eigene Zubereitung von Cold Brew Coffee:

Das Allerwichtigste ist einen guten Kaffee zu verwenden. Durch die lange Extraktion und das Kalttrinken kommen die im Kaffee angelegten Aromen viel stärker zur Geltung. Also, ein schlechter Kaffee, den man heiß gerade noch so genießen kann, wird als Cold Brew ungenießbar. Besonders gut eignen sich fruchtige Kaffees  wie z. B. der Fero aus Äthiopien oder der Combrifol aus Honduras.

Für Cold Brew Coffee benötigt man mehr Kaffeepulver als beim normalen Brühkaffee. Während es bei der heißen Variante ca. 60g Kaffeepulver pro Liter Wasser ist, benötigt man bei der kalt gebrühten Variante eher 100g pro Liter.

Der Mahlgrad des Kaffees sollte mittel bis grob sein. Also, einen Ticken grober als bei einem normalen Filterkaffee.

Viel Spaß beim Probieren!

Ihr

Jörn Gutowski
Gründer, TRY FOODS
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