Was ist Honigtau?

Honigtau


Honig besteht aus Nektar, den die Bienen aus Blüten saugen. Lange dachte ich, dass jeder Honig diesen Ursprung hat. Als ich darüber stolperte, dass Honige auch aus Honigtau bestehen können, war ich überrascht. Als ich dann erfuhr, was Honigtau genau ist, war ich im ersten Moment etwas irritiert.  Aber als ich bewusst Honige aus Honigtau probierte, merkte ich, wie sehr ich den Geschmack mag.

 

Was ist Honigtau?

Honigtau entsteht, wenn Insekten (vor allem Blattläuse und Zikaden) Pflanzensäfte von Laub- oder Nadelbäumen aufsaugen. Diese Insekten sind vor allem an den Proteinen im Saft interessiert. Eine großen Teil des Zuckers im Saft scheiden sie wieder aus. Da der Honigtau den Verdauungstrakt der Insekten durchläuft, wird der süße Saft zusätzlich mit Mineralien und Enzymen angereichert. Die Bienen wiederum freuen sich über den süßen Honigtau, den sie einsammeln und zum Honig verarbeiten.

Zugegebenermßen hört sich das im ersten Moment nicht sonderlich appetitsfördernd an. Man muss aber berücksichtigen, dass diese Läuse keine komplexen Verdauungssysteme haben. Auch Blütennektar wird von Bienen aufgesaugt und im dafür speziellen Honigmagen gelagert. Während der Reise von der Blüte zur Wabe wird der Nektar (und auch der Honigtau) mehrmals von einer zu einer anderen Biene übergeben. Dies sind alles natürliche Prozesse, vor denen sich meiner Meinung nach niemand ekeln muss.  

Viele Autobesitzer*innen kennen Honigtau, wenn sie mit ihrem Auto im Sommer unter einer Linde parken. Der klebrige, dickflüssige Saft, den man nur schwerlich von der Windschutzscheibe bekommt, ist Honigtau. 

Honigtau könnte man übrigens völlig problem und gefahrenlos einfach pur verzehren. Tatsächlich wird dies in eigenen Kulturen in Europa und Asien getan. Die Aborigines in Australien schätzen besonders kristallisierten Honigtau (Manna genannt). 

 

Honigtau im Honig

Wie eingangs gesagt, besteht auch der Honig in den Regalen hiesiger Supermärkte sowohl aus Blütennektar als auch aus Honigtau. Dies steht auch in der deutschen Honigverordnung, die die gesetzliche Grundlage für Honig darstellt:

„Honig ist der natursüße Stoff, der von Honigbienen erzeugt wird, indem die Bienen Nektar von Pflanzen oder Sekrete lebender Pflanzenteile oder sich auf den lebenden Pflanzenteilen befindende Exkrete von an Pflanzen saugenden Insekten aufnehmen, durch Kombination mit eigenen spezifischen Stoffen umwandeln, einlagern, dehydratisieren und in den Waben des Bienenstocks speichern und reifen lassen.“

Diese Definition im Beamtendeutsch sagt im Kern, dass Honig aus den Grundstoffen Blütennektar und Honigtau gewonnen wird und durchs Übergeben und Übernehmen sowie das Einlagern verdickt (der eingelagerte Honig ist nur ca. 30% der Menge des aufgenommenen Honigtau/Blütennektar, bzw. gut 70% Wasser verdunstet während des Prozesses) und mit Enzymen angereichert wird. 

Honige aus Honigtau erkennt man auf den ersten Blick an der recht dunklen Farbe. Im Vergleich zu Honigen aus Blütennektar schmecken sie kräftiger, herber und meist komplexer. Der bekannteste Honigtau-Honig ist der Waldhonig.

Oft beinhalten Honige auch eine Mischung aus Honigtau und Blütennektar. Dies ist beim erwähnten Waldhonig oder auch beim Lindenhonig sehr oft der Fall. 

Da ich persönlich kräftige Honige aus Honigtau schätze und diese besonders gern mit gereiftem Käse esse, bin ich sehr froh darüber, dass Bienen nicht nur Honig aus Blütennektar gewinnen. 

Wenn Ihr wissen möchtet, warum und wie sich Honige geschmacklich unterscheiden, dann lest den Blogartikel zu "Der Geschmack von Honig". Wenn Ihr Honige aus Honigtau und Blütennektar nebeneinander probieren möchtet, dann empfehle ich euch unser TRY Honig Probierset.

In diesem Sinne, bleibt neugierig!

Euer

Jörn Gutowski
Gründer, TRY FOODS 

 


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