Verkostung der neuen Olivenöle

Ich habe mich diebisch gefreut, als gestern das ersehnte Paket mit den Olivenölproben der neuen Ernte bei mir eintraf.

Nachdem mein Partner zait alle chemischen und sensorischen Analysen abgeschlossen hat, bekam ich nun die fünf Olivenöle zum Verkosten. Ich wurde schon vorgewarnt, dass die letzte Olivenernte in viel Gebieten des Mittelmeerraumes schwierig war, da die Wetterbedingungen alles andere als optimal waren. Es sah lange so aus, als ob eines der fünf Olivenöle (mein geliebtes sizilianisches Öl) dieses Jahr in zu kleinen Mengen erhältlich sei, so dass ich ein anderes Olivenöl hätte nehmen müssen. Dankenswerterweise hat mir mein Partner dann doch eine genügend große Menge anbieten können!

Heute hatte ich nun die Zeit, mich mit den fünf hinzusetzen und sie in Ruhe zu probieren. Ich nahm dazu ein kleines gewölbtes Rumglas, etwas Wasser und ein Becher Joghurt. Der Joghurt hilft super beim Neutralisieren des Gaumens zwischen den Proben.

Bei jedem Öl habe ich mit der Hand das Glas oben zugehalten und es in der anderen Hand gedreht, um das Olivenöl zu erwärmen. Dann bin ich möglichst tief mit der Nase in das Glas, um das Öl zu riechen. Abschließend habe ich es mit viel Sauerstoff in den Mund gezogen.

Die Resultate der Verkostung waren überraschend, da die Olivenöle anders schmeckten als im Jahr zuvor. Natürlich haben sie bestimmte Grundvoraussetzungen aufgrund der benutzten Olivensorte, die nicht variieren (z. B. ist das katalonische Öl der Arbequina-Olive immer mild und das apulische der Coratina-Sorte immer scharf und bitter im Abgang), aber es gab deutliche Veränderungen.

Katalonien (Olivensorte Arbequina):

Ich rieche frisch geschnittenes Gras und grüne Früchte; der Geschmack ist sehr mild und leicht; die grünen Früchte schmecke ich auch und dazu gesellt sich ein leicht mentholiges Aroma, das ich so im letzten Jahr nicht geschmeckt habe, wenn ich mich recht erinnere.

Kreta (Olivensorte Psiloelies):

In der Nase spüre ich reifere Früchte; der Geschmack erinnert mich an Artischoken und auch die grüne Banane aus dem letzten Jahr ist noch ein bisschen da; zudem spüre ich eine leicht pfefferige Note, die ich besonders im Abgang merke.

Sizilien (Olivensorte Tonda Iblea)

Hier rieche ich grüne Tomate, die ich auch ganz deutlich schmecke. Dazu ein bisschen Frucht- und vor allem Gemüsenoten. Im Abgang merke ich eine deutliche Schärfe. Im letzten Jahr war das Öl weniger scharf und nicht so gemüsig, sondern fruchtiger.

Alentejo (Olivensorte Cobrançosa)

Die deutliche Mandelnote ist in diesem Jahr für mich das hervorstechendste Merkmal des Öls. Sowoh in der Nase als auch im Munde spüre ich sie deutlich. Dazu paaren sich andere kräutrige Aromen, die man von dem Olivenöl aus dem Vorjahr kennt. Der Abgang ist in diesem Jahr viel milder.

Apulien (Olivensorte Coratina)

Ich rieche grüne Früchte: im Mund kommt das typische Aroma von Bittermandel hinzu. Das Öl hat auch in diesem Jahr wieder viel Power! Der Abgang ist wieder recht scharf und bitter, ohne unangenehm zu brennen.

 

Als Fazit kann ich sagen, dass es mir in diesem Jahr schwerer fällt, einen klaren Favoriten zu benennen. Das sizilianische Öl ist zwar weiterhin sehr gut, aber dieses Jahr finde ich auch das Öl aus dem Alentejo mit der beeindruckenden Mandelnote und das kretische Öl mit einem sehr interessanten Aromenmix aus reifen Früchten in der Nase und grüner Banane und Artischoke im Mund sehr überzeugend!

Nach Ostern können Sie sich dann selbst ein Bild machen. Denn ab dann werden die Olivenöle der neuen Ernte im TRY Olivenöl Set bzw. in 0,5l Dosen im TRY FOODS Webshop erhältlich sein.


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