Woran erkenne ich gutes Olivenöl?

Wie findet man gutes Olivenöl? - Diese Frage habe ich mir zum ersten Mal vor einigen Jahren gestellt, als ich vor dem Olivenölregal im Berliner KaDeWe stand und mich ca. 40 verschiedene Olivenölflaschen anlachten.

 

Kann ich ein gutes Olivenöl am Etikett erkennen?

Bei meinem Einkaufsversuch im KaDeWe hatte ich größte Probleme anhand der Etiketten auf den Olivenölen zu entscheiden, welches Öl ich nehmen sollte.

Bei kaum einem anderen Produkt ist es so schwer wie beim Olivenöl, vom Etikett Rückschlüsse auf die Qualität des Inhalts zu ziehen. Gerade bei der Werbesprache der industriell gefertigten Olivenöle muss man vorsichtig sein. Aussagen wie „sorgfältige Auswahl von Oliven aus dem EU-Raum” heißt, dass meist übrig gebliebene Reste im großen Stil aufgekauft und zusammen abgefüllt werden. Hier sind oft minderwertige Qualitäten hineingemischt. So weist natürlich das Olivenöl keinen für eine bestimmte Region oder Olivensorte charakteristischen Geschmack auf.

 

Der Hinweis "Extra Nativ" ist kein wirkliches Qualitätsmerkmal

Wie ich in meinem Blogartikel über extra native Olivenöle beschrieben habe, bedeutet die angebliche Güteklasse „nativ extra“ keine Garantie für die Qualität. Denn die allermeisten Olivenöle, die in Deutschland als "extra nativ" deklariert sind, dürften dies eigentlich aufgrund der geschmacklichen Fehler nicht auf dem Etikett stehen haben.

Beschreibungen wie „kaltgepresst“, „ausschließlich im mechanischen Verfahren“ oder „Erstpressung“ sind damit leider auch völlig belanglos, da sie genau das Gleiche aussagen, wie "extra nativ". Denn jedes extra native Olivenöl muss eigentlich mechanisch und kaltgepresst werden und ausschließlich aus der ersten Pressung stammen.

 

Worauf kann ich beim Olivenöl achten?

Um gutes Olivenöl in einem Geschäft zu finden, muss man sich ein bisschen bemühen und die Flaschen aus dem Sortiment in die Hand nehmen. Dabei würde ich empfehlen, einen gut sortierten Delikatessenladen aufzusuchen, da die Discounter und Supermärkte meist nur Öle aus industrieller Herstellung führen. Generell ist das Stichwort Transparenz für mich sehr wichtig. Wie viel erfahre ich über das jeweilige Olivenöl?

 

Informationen auf dem Etikett

 Eine Flasche aus einem Supermarktregal, bei der man keinerlei Angaben erhält, sollte man eher meiden. Je mehr das Etikett aussagt, bzw. je transparenter der Produzent mit genauen Angaben ausgestattet ist desto besser. Diese Informationen beinhalten:

  • Erntezeitpunkt: Gibt der Produzent an, aus welchem Jahr und noch besser in  welchem Monat  wurde das Öl geerntet? Olivenöl wird mit der Zeit nicht besser, deshalb ist Frische ein wichtiges Kriterium
  • Herkunft der Oliven: Olivenöle mit Mischungen von Oliven aus der gesamten EU sind kein gutes Zeichen. Besser sind Herkünfte aus einer speziellen Region. Warum? Die großen kaufen die günstigsten Oliven europaweit ein. Produtzenten, die sich auf eine Regoin festlegen, zeigen, dass sie regional verankert sind.
  • Olivensorte(n): Ähnlich wie bei der Region deuten auch genaue Angaben zu Sorten darauf hin, dass sich der Produzent mit speziellen Oliven auseinandersetzt.
  • Hinweise über Analysewerte: Damit ein Öl "extra nativ" genannt werden darf, müssen eigentlich ca. zwei Dutzend chemische Parameter eingehalten werden. Das Problem ist, dass kein Produzent vorab seine Olivenöle analysieren. Macht es ein Produzent freiwillig, dann deutet das darauf hin, dass er wirklich an der möglichst höchsten Qualität interessiert ist. Meist wird auf der Flasche der Wert für die freiene Fettsäuren gezeigt. Dieser darf nicht höher als 0,8% liegen. 
Je mehr Transparenz, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man ein gutes Olivenöl in der Hand hat. Neben dem Etikett kann man sich natürlich auch im Internet oder ggf. auch beim Hersteller direkt informieren. 

 

Den eigenen Geschmack entwickeln

Neben der Qualität, die man ein Stück weit objektiv beschreiben kann, geht es bei der Bewertung eines Olivenöls natürlich um den Geschmack. Dieser ist aber selbstverständlich subjektiv. Deshalb ist der Königsweg, unterschiedliche Olivenöle zu verkosten, um seine eigenen Favoriten zu finden.

Das kann man in einigen Fachgeschäften tun oder aber man bestellt sich TRY Olivenöl für zu Hause und probiert sich durch verschiedene Öle. Denn wie mir der Olivenölproduzent und Journalist Andreas März erklärt, sollte man besten auf seinen eigenen Geschmack vertrauen: 

„Wenn du Olivenöl richtig kennenlernen willst, dann musst du dich bemühen. Du musst Öle kaufen, etwas lesen, hier mal verkosten oder dort mal verkosten und Produzenten besuchen. Natürlich kannst du einen Ölführer kaufen, aber dann bist du erst mal ein Etikettenkonsument. Ich will aber zuverlässig etwas Gutes. Und wer sagt mir das? Meine Nase sagt mir das. Sie sagt mir zuverlässig, was mir schmeckt und was gut für mich ist.”

 

In diesem Sinne, bleibt neugierig!

Euer 

Jörn Gutowski
Gründer, TRY FOODS  


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