Berghonig: eine regionale Besonderheit

Bergblumen

Für ein spezielles Projekt beschäftige ich mich zurzeit mit Honigen aus den Alpen. Dabei fiel mir erneut auf, wie sehr Honig abhängig von der Herkunft ist oder wie es die Honigexpertin Annika Singer so trefflich sagte: „Für mich ist Honig der aromatische Fingerabdruck einer Region." 

Besonderheiten des Berghonigs

Für ein Set mit Honigen aus der Region Vorarlberg durfte ich mich durch verschiedene Berghonige probieren und mit vier Imkern über die Besonderheiten ihrer Honige sprechen. 

Ich war fasziniert zu lernen, wie sich das Imkern und der Honig in den Bergen von dem aus dem Flachland unterscheidet. Die von mir interviewten Imker haben ihre Bienenvolker über 1.000 Meter Höhe stehen.  

Alle von mir probierten Honige haben eine besondere geschmackliche Intensität. Selbst bei einem reinsortigen hellen Alpenrosenhonig, der von Hause aus recht mild ist, schmeckt man viel: Ein aromatischer Strauß von floralen und fruchtigen NNoten. Dies hat damit zu tun, dass die Berghonige aus Vorarlberg sehr wenig Wasser enthalten. Generell sind bis zu 20% erlaubt, aber die Honige, die ich probierte, haben alle unter 17%. Weniger Wasser bedeutet mehr Geschmack!  

Wenig Quanität, dafür aber Qualität

In der Bergregion Vorarlberg ist der Honigertrag pro Bienenvolk zudem nur um die zehn Kilogramm, während es woanders bis zu 40 Kilogramm sein können. Der Ertrag ist in den Bergen somit deutlich geringer als im Tal oder Flachland, aber dafür ist der Honig sehr hochwertig geschmacklich intensiver. Wieder gilt, weniger Ertrag mehr Geschmack!

Kurze Vegetationszeit 

In bergigen Gebieten wie Vorarlberg sind die Trachten meist eingeschränkter, da die Vegetationszeit kürzer ist. Als Tracht bezeichnet man die zu einem bestimmten Zeitpunkt blühenden Pflanzen, deren Nektar oder Honigtau von den Bienen gesammelt werden. Der Winter auf den Bergen ist länger, so dass es später anfängt und früher aufhört zu blühen als im Tal. So werden in den Bergen primär zwei Trachten (Bergblüten und Waldhonig)geimkert. Im Flachland kann es je nach Region mehr Trachten geben (max. ca fünf). 

Ein weiterer Nachteil in den Bergen, bzw. eine große Herausforderung für die Imker, sind plötzliche Wetterumschünge, die es in den Bergen geben kann. So kann es vorkommen, dass es im Mai, wenn die Bergwiese blüht, nochmals friert und schneit. Die Imker müssen dann schnell reagieren und die Bienenstöcke von den Bergen holen, damit die Bienen nicht erfrieren.

Unberührte Naturlandschaften

Ein Vorteil der Berge ist, dass die Natur oft unberührter ist. Es gibt weniger intensive Landwirtschaft als im Flachland. Das sorgt für eine größere natürliche Pflanzenvielfalt, von der auch die Bienen profitieren. Große Monokulturen wie auf den intensiv bewirtschafteten Flächen im Flachland gibt es in den Bergen nicht. 

Die besondere Bergblütenvielfalt sorgt für eine einzigartige Aromatik. Ein Vertreter aus dem Bregenzer Wald, den ich probierte, schmeckte z.B. sehr vollmundig und karamellig, fruchtig. So einen Geschmack habe ich bei Blütenhonigen aus Berlin oder Brandenburg noch nicht wahrgenommen. Nicht dass Ihr mich falsch versteht, es geht nicht darum, dass sie per se besser schmecken, sondern einfach anders. Sie sind - wie gesagt - der aromatische Abdruck dieeser einzigartigen Umgebung.

In diesem Sinne, bleibt neugierig!

Euer
Jörn
Gründer, TRY FOODS