Wie unterscheiden sich Bio-Honig und konventioneller Honig?

Imkern von Stadthonig; Bienenstock in der Stadt

Das Bio-Thema beim Honig ist komplizierter als bei anderen Lebensmitteln. Imker*innen können nicht kontrollieren, wohin die Bienen fliegen, um Nektar einzusammeln.  

Worauf kommt es beim Bio-Honig an?

Die Honig-Expertin und Imkerin Annika Singer stimmte mir zu, dass das Bio-Thema beim Honig nicht ganz leicht zu verstehen ist:  

„Das Bio-Thema beim Honig ist für viele Verbraucher verwirrend, wenn man es mit anderen Lebensmitteln vergleicht. Beim Bio-Honig zählt vielmehr die Haltung der Bienen und der Betriebsweise als der tatsächliche Inhalt im Glas.“

Bienen kann man nicht wie Kühe, Schweine oder andere Nutztiere halten. Sie fliegen Strecken bis zu fünf Kilometer weit. Selbst wenn Imker*innen die Bienenstöcke auf einen Bio-Bauernhof stellt, können die Bienen zum Nachbarn fliegen, der ggf. konventionell arbeitet und spritzt.

Jeder in den Verkehr gebrachte Honig kann zwar analysiert werden, aber die Grenzwerte für z. B. Pestizide sind für Bio-und konventionellen Honig die selben. Dafür gibt es andere Kriterien, die beim Bio-Honig strenger bewertet werden. So dürfen Bioland-Honige maximal 18% Wasser enthalten (anstatt der von der Honigverordnung vorgeschriebenen 20%).

 

Die Unterschiede liegen vor allem in der Arbeit der Imker*innen:

Da man die Bienen nicht wirklich kontrollieren kann, bezieht sich die Bio-Zertifizierung vor allem auf die Arbeit der Imker*innen. So müssen beim Bio-Honig die Kisten der Bienenstöcke aus Holz sein. Styropor darf nicht eingesetzt werden. Das Wachs muss komplett rückstandsfrei sein. Es dürfen keine Spuren von Bienenarzneimitteln enthalten sein.

Der größte Kostentreiber für die Bio-Imkerei liegt beim Zufüttern der Bienen im Winter. Denn das Biozuckerwasser kostet fast zweieinhalb Mal so viel wie konventionelles. Die Demeter-Imkerei strebt zudem an, so wenig Zucker wie nötig zu füttern und den Bienen einen Anteil ihres Honigs für den Winter zu lassen. Wenn man also den/die Imker*in nicht persönlich kennt, ist der Griff zum Bio-Honig eine gute Wahl, da neben den strengeren Kriterien in der Haltung auch eine andere Beziehung zu den Bienen und damit eine geprüfte, artgerechtere Haltung einhergeht.

Auch Honig aus der Großstadt kann Bio sein

Auf den ersten Blick kommt es für viele komisch vor: Bio-Honig aus einer Großstadt wie Berlin, mit all dem Verkehr und den Schornsteinen der Industrie? Ja, es geht! Denn nicht nur wie oben beschrieben, können Imker'innen auch in der Stadt mit biologischen Mitteln arbeiten, sondern auch Analysen von Stadthonigen zeigen, dass diese oft weniger belastet als Honige vom Land sind. Denn der große Unterschied ist, dass in der Stadt keine Pflanzen gespritzt weredn, wie es auf Nutzfläschen in der konventionellen Landwirtschaft der Fall ist.  

Weitere Honig-Siegel 

Neben dem Bio-Siegel gibt es in Deutschland seit den 1920er Jahren das Siegel des Deutschen Imkerbunds. Somit ist der Bund sogar älter als die Deutsche Honigverordnung. Honige, die das Siegel und die Beschreibung „Echter Deutscher Honig“ tragen, müssen ebenfalls strengen Qualitätskriterien genügen. Der Imkerbund stellt zudem das Glas, die Etiketten und Werbemittel zur Verfügung, was gerade für kleine Imkereien einen Vorteil darstellt. Und dank des Einheitsglases haben die Honige des Imkerbunds einen hohen Wiedererkennungswert bei Konsument*innen.

 


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