Grüner Tee im Geschmackstest

Verschiedene Grüntees im Test
Nachdem wir schwarzen Tee ausführlich verkostet haben, stehen nun grüne Tees aus verschiedenen Anbauregionen vor uns. Wir sind gespannt, ob die geschmacklichen Unterschiede ebenso groß sind. Zur Grünteeverkostung haben wir uns heute sogar Verstärkung eingeladen: Nicole Klauss,Autorin vom Buch neue Trinkkultur besucht uns und steuert einige sehr besondere Teesorten zu unserer Verkostung hinzu.

 

Grüner Tee zum Essen

In ihrem Buch beschäftigt sich Nicole Klauss mit alkoholfreien Getränken und den dazu geeigneten Food Pairings. Tee spielt dabei eine große Rolle, weshalb wir uns umso mehr freuen eine Fachfrau an unserer Seite zu haben. Grüner Tee passt hervorragend zum Essen, da er so facettenreich sei, meint Nicole. Sie experimentiert zur Zeit viel mit Käse-Grüntee-Kombinationen. Hier gibt es ihrer Meinung sehr viel zu entdecken, denn der warme Tee passt besonders gut zu kalten Speisen wie Käse oder auch Sushi. Wie beim Wein ist es genauso wichtig beim Tee, dass keiner der beiden Partner zu dominant ist, sondern sie sich gut ergänzen. Deshalb sollte man am besten z.B. geröstete Grüntees zu intensiveren Speisen nehmen. Gedämpfte Tees aus Japan wie ein klassischer Sencha passen eher zu leichteren speisen wie blanchiertem Gemüse (z.B. Bohnen).

Eine weitere Facette, die Nicole in Grüntees faszinierend findet, ist der Umamigeschmack, der vor allem in japanischen oder auch koreanischen Grüntees vorkommt. „Mich reizt der Umamigeschmack in speziellen Grüntees. Der Tee sorgt für zusätzlichen Geschmack und kann auch etwas fadere speisen so aufpeppen.“ Zwar machen wir heute kein Tee-Food-Pairing, aber nach der Theorie freue ich mich nun den Geschmack der unterschiedlichen Tees kennenzulernen.

grünen Tee probieren (Foto: TRY FOODS)

Der Geschmack von grünem Tee

Der Geschmack der verkosteten Grüntees reicht von algigen über floralen und fruchtigen bis zu nussigen und holzigen Noten. Die Gründe für die unterschiedlichen Aromen liegen hauptsächlich an der Erntezeit und der Aufbereitung des grünen Tees. Grüner Tee muss nach der Ernte recht schnell bearbeitet werden, damit er nicht oxidiert und schwarz wird.

Die Oxidation wird je nach Region unterschiedlich gestoppt. In Japan wird der Tee meist gedämpft, während er in China geröstet wird. Durch das Dämpfen hat der japanische Grüntee oft Aromen, die an Meer und grünes Gras erinnern. Sie zeigen oft den von Nicole Klauss erwähnten subtilen Umamigeschmack.

Durch die Röstung schmecken die chinesischen Tees oft eher nussig. Dies sind natürlich extreme Verallgemeinerungen; in beiden Ländern gibt es Teeproduzenten, die sehr spezielle Methoden verfolgen und somit von der oben genannten Norm abweichende Geschmacksprofile entwickeln.

Auf unserem Tisch stehen mit dem bi luo aus der Region Hubei und dem König der chinesischen Grüntees, dem Drachenbrunnentee aus der Region um die Stadt Hangzhou. Zwei sehr besondere chinesische Vertreter: Während der bi luo sehr würzig und vollmundig schmeckt, ist der Drachenbrunnentee filigraner mit fruchtigen Aromen und dem Duft von Jasmin.

Aus Japan probieren wir einen klassischen Sencha aus der südlichen Region Kyushu, einen Hanami ebenfalls aus kyushu und einen Karigami aus der Region Mie. Mir gefällt besonders der Karigami, der einen deutlichen Umamigeschmack hat, welcher sich im Mund breit macht und einen extrem langen und angenehmen Nachgeschmack hinterlässt. Der Hanami überrascht durch große Unterschiede zwischen den Aromen, die ich in der Nase spüre (Frucht und Alge) und denen, die ich im Mund spüre (Bittermandel). Neben den Grüntees aus den beiden bekanntesten Ländern probieren wir auch Tees aus Südkorea und Indien. Letzteres ist eigentlich besonders als Produzent von schwarzen Tees bekannt.

 

Grüner Tee aus Indien

Interessanterweise verkosten wir einen sogenannten Selimbong aus der Region Darjeeling in Indien, den wir bereits vor einigen Tagen als Schwarztee probierten und der mir sehr gut gefiel. Und nicht überraschend schmeckt der selimbong von allen grünen Tees auf unserem verkostungstisch am ehesten wie ein schwarzer Tee. Er hat leicht holzige Noten, die ich eher vom Schwarztee kenne. Mein spontaner Eindruck nach der Verkostung ist, dass die Stärke des Produzenten in Darjeeling eher die Produktion der schwarzen Tees ist.

 

Grüner Tee aus Südkorea

Vor nun bereits zwei Jahren war ich bei Paper & Tea einem Händler von hochwertigen Teesorten zu einer Verkostung eingeladen. Hier probierte ich zum ersten Mal bewusst südkoreanische Grüntees, die mir sehr gut gefielen. Geschmacklich lagen diese zwischen einem typischen chinesischen und einem japanischen grünen Tee, da sie zum Teil sowohl gedämpft als auch geröstet werden. Laut Paper & Tea erfreuen sich die südkoreanischen Tees einer wachsenden Beliebtheit in der Tee-Community. Deshalb freute ich mich auf den Vertreter aus Südkorea, den wir heute probieren. Leider ist er jedoch ein bisschen blass im Geschmack. Im Gegensatz zu den anderen grünen Tees ist er zwar gut balanciert und rund, aber eben auch langweilig.

 

Chinesischer Icebrew Tee

Wir berichteten bereits über cold brew Kaffee und erwähnten dass wir uns auch unbedingt cold brew Tee widmen und eine Verkostung machen wollen. Nicole Klauss treibt es heute sogar einen Schritt weiter und zeigt uns einen icebrew Tee. Die Herstellung ist ganz simpel: In einer kleinen Thermoskanne mischte Nicole vor einigen Stunden einige Eiswürfel mit einem Löffel grünen Tee das Eis schmilzt in der Thermoskanne extrem langsam und vermischt sich dadurch nach und nach mit dem Tee. Und sie nahm nicht irgendeinen Tee, sondern den König der chinesischen Grüntees den Drachenbrunnentee aus der Region um die Stadt Hangzhou. Geschmacklich ist dieser Tee der absolute Highlight der Verkostung!

In diesem Sinne, bleiben Sie neugierig!

Ihr
Jörn Gutowski
Gründer TRY FOODS