Der Geschmack von (gutem) Gin

Der Geschmack von Gin
Wie schmeckt eigentlich Gin und wie kann ich verschiedene Gins geschmacklich unterscheiden? Bei mittlerweile mehr als 400 Ginsorten in Deutschland kann man leicht den Überblick verlieren. Damit man den "richtigen" Gin findet, macht es Sinn über Geschmack zu reden und ein bisschen Ordnung in die Gin-Landschaft zu bekommen. 

Wacholder: Der geschmackliche Kern vom Gin 

Ohne Wacholder kein Gin. Es ist sogar in einer EU-Verordnung gesetzlich festgelegt, dass Gin eine Wacholdernote haben muss, damit sich das Getränk überhaupt Gin nennen darf. Man kann Gin also als "Wacholderschnaps" bezeichnen. 

Und wonach schmeckt Wacholder?

Am besten, Ihr nehmt einfach mal eine Wacholderbeere aus dem Gewürzregal und zerreibt sie zwischen euren Fingern. So kommen die ätherischen Öle aus der Beere und ihr riecht das vollmundige Aroma: waldig, harzig und fruchtig. Wenn ihr nun in die Beere beißt, werdet ihr neben den fruchtig-süßen und den waldig-harzigen Noten auch leichte Bitternoten schmecken. 

Die Botanicals: die persönliche Note 

Da Gin nun kein reiner Wacholderschnaps ist, sondern immer aus einer Kombination verschiedener Botanicals (Gewürze, Kräuter, Wurzeln, Früchten u.ä.) besteht, kann Gin geschmacklich noch viel mehr als nur nach Wacholder schmecken. Jeder Gin-Brenner, der etwas auf sich hält, hat genau ausgetüftelte Rezepte für seinen Gin entwickelt. Ähnlich wie ein Koch überlegt er*sie, welche Botanicals aromatisch harmonieren. Manche Brenner begnügen sich mit einer Handvoll Botanicals während andere bis zu 50 (oder 47 - siehe "Monkey 47") verschiedene zusammenmischen. 

Der Geschmack: Klassisch bis experimentell 

Als klassische Gins werden die Sorten bezeichnet, die eine deutliche Wacholdernote haben. Je nach eingesetzten Botanicals geht es geschmacklich in den meisten Fällen in eine dieser vier geschmacklichen Richtungen: fruchtig, süß, floral (blumig) oder würzig, wie man auf folgender (zugegeben leicht psychedelischer) Grafik sehen kann: 

geschmackliche Einteilung von Ginsorten

Folgende Botanicals werden gern verwendet:

Koriander (zitrus, würzig), Zitronenschale (zitrus), Süßholz (süß), Zimt (süß, würzig), Kardamom (würzig, süß), Pfeffer (würzig), Rosenblüten oder andere Blüten (blumig).

Je experimenteller der Gin ist, desto weiter entfernt er sich von der klassischen Wacholdernote. Diesen Gin-Stil bezeichnet man übrigens auch als "New Western". Es kann bei diesen New Western Gins auch sein, dass die dominante aromatische Note in keine der oben vier genannten Richtungen (zitrus, süß, floral, würzig) geht. Ich habe z.B. einen Gin getrunken, der deutlich nach Kaffee schmeckte. Auch gibt es Gins, für die man Hummer oder auch Speck verwendet hat. Klar, dass die auch eine ganz "eigene" Aromatik besitzen.  

 

Was zeichnet einen guten Gin geschmacklich aus?

Eine ganz wichtige Grundvoraussetzung bei einem guten Gin ist, dass qualitativ hochwertiger (=sauberer) Alkohol benutzt wird, in dem die Botanicals eingelegt werden und der die Grundlage des Gins bildet. 

Ansonsten zeichnet einen guten Gin eine eigene geschmackliche Handschrift des Brenners aus, der Einsatz hochwertiger Botanicals, dem richtigen Riecher beim Kombinieren der Botanicals und in der handwerklichen Fähigkeit den Gin gut zu brennen. 

Dies sind natürlich "Allgemeinschauplätze", denn auch wenn ein Gin objektiv betrachtet gut gemacht ist, heißt es nicht, dass er einem persönlich schmeckt.

 

Wie finde ich den Gin, der mir schmeckt?

Einfache Antwort: Probieren! Oder besser noch: bewusst probieren. Ich würde auf jeden Fall bei eher klassischen Ginsorten beginnen, um zu sehen, ob Euch die Wacholdernote erstmal zusagt. Wenn Ihr schon ein bisschen über eure Präferenzen wisst, könnt ihr das Schaubild oben als Ausgangspunkt nutzen. Vielleicht mögt ihr generell zitrus-fruchtige, süße, florale oder würzige Noten besonders gern? Dann könnt Ihr bewusst nach solchen Gins Ausschau halten (z.B. in einem gut sortierten Fachgeschäft danach fragen).  

Ansonsten macht ein Gin Tasting, bei dem Ihr unterschiedliche Ginsorten nebeneinander probieren könnt, Sinn. Mit dem TRY Gin Set bekommt ihr sowohl fünf verschiedene Ginsorten als auch ein ausfürliches Booklet über Gin und eine Anleitung für ein Tasting zu Hause. Ladet ein paar Freund*innen ein und probiert Euch am besten gemeinsam durch! 

 

In diesem Sinne bleibt neugierig!

Euer
Jörn Gutowski
Gründer, TRY FOODS