Woher kommt das beste Olivenöl?

Olivenregion
Woher kommt das beste Olivenöl? - Diese Frage ist eine der häufigsten in meinen Olivenöl-Verkostungen. Wenn ich die Frage in die Runde zurückgebe, kommt nicht selten Italien als Antwort. 

 

Bella Italia: Heimat des besten Olivenöls?

Nicht nur die Teilnehmer*innen meiner Tastings tippen auf Italien als das Land für gutes Olivenöl. Auch beim Blick ins Olivenölregal eines Feinkostgeschäfts oder eines gut sortierten Supermarktes fällt auf, dass besonders die hochpreisigen Premium-Olivenöle meist aus Italien stammen. Selbst die Statistiken zu den erzielten Durchschnittspreisen für Olivenöle aus unterschiedlichen EU-Ländern, die man auf der Webseite des International Olive Councils nachlesen kann (siehe Preisvergleich des IOC), zeigen, dass italienisches Olivenöl ca. 75% teurer als spanisches oder griechisches gehandelt wird!

Also, alles scheint daraufhin zu deuten, dass die besten Olivenöle wohl aus Italien stammen. Die großen industriellen Hersteller von Olivenöl aus Italien wissen diese Annahme für sich zu nutzen. So füllen sie ihre Olivenöle, die zum großen Teil nicht aus Italien, sondern aus anderen Mittelmeerländern stammen, in Flaschen mit italienisch anmutenden Namen, Fotos und Designs ab. Denn wenn es um Olivenöl geht: "Italy sells"! 

 

Gutes Olivenöl hat viele Herkünfte

Die Annahme, dass italienische Olivenöle per se besser als Olivenöle aus anderen Ländern sind, stimmt allerdings nicht.

Ich durfte schon hervorragende Olivenöle u.a. aus Spanien, Kroatien, Tunesien, Türkei, Griechenland, Australien, Portugal oder Südafrika probieren. Es lohnt ein Vergleich mit Wein. Es würde sich nämlich kein Weinexperte hinstellen und behaupten, dass der beste Wein aus Frankreich käme. Genauso verhält es sich beim Olivenöl. Es gibt in vielen Ländern sehr gute Produzenten. Im Zweifelsfall bezahlt man sogar für die gleiche oder bessere Qualität einen günstigeren Preis als für ein italienisches Olivenöl.

Aber klar, Italien steht für viele Deutsche für Genuss, hochwertige Zutaten und eine hohe Esskultur. Viele von uns verbinden wunderschöne Urlaubserinnerungen mit einzigartigen Geschmackserlebnissen mit diesem Land.

Ich will auch nicht in Frage stellen, dass es viele wunderbare Olivenöle aus Italien gibt (zwei davon sind auch in meinem TRY Olivenöl Tasting Set), aber es ist Quatsch zu sagen, dass man gutem Olivenöl eine spezielle Herkunft geben kann. 

 Olivenölverkostung in Südafrika

Was heißt eigentlich das beste Olivenöl?

Das bringt mich zur nächsten Frage und zwar: Was heißt eigentlich das "beste" Olivenöl? Bei meinen Tastings bekomme ich dann meist als Antwort: "gute Qualität und guter Geschmack." 

Für Qualität müsste man sich erstmal darüber verständigen, wie man diese genau definiert. (Ich habe in diesem Blogartikel versucht, gutes und schlechtes Olivenöl zu beschreiben.) Als Faustregel könnt ihr euch merken: Je mehr Informationen ein Produzent über seine Olivenöle mitteilt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um ein Olivenöl mit guter Qualität handelt. (Wichtige Informationen sind z.B.: Herkunft der Oliven, Olivensorten, Erntezeitpunkt, Ergebnisse von freiwilligen Analysen.)

Ich habe Produzent*innen in vielen unterschiedlichen Regionen und Ländern gefunden, die sehr transparent über ihre Arbeit sprechen, die penibel und zum richtigen Zeitpunkt ernten, in modernen Mühlen sauber und schonend das Olivenöl pressen und ein Top-Produkt in die Flasche bringen.  

Das Thema "guter Geschmack" ist nochmals schwieriger zu objektivieren. Jeder Mensch hat seine eigene Geschmacksempfindung. Hierbei gibt es kein richtig und kein falsch. Wenn es um die Geschmacksintensität eines Olivenöls geht, so spielt die Herkunft der Oliven wieder keine Rolle, sondern laut einer Studie von A.K. Kiritsakis ("Flavor components of olive oil—A review") ist vielmehr der richtige Erntezeitpunkt wichtig.

Denn zum optimalen Erntezeitpunkt besitzen die Oliven die höchste Anzahl an Aromastoffen. Dieser Zeitpunkt ist je nach Region und Olivensorte unterschiedlich, aber er liegt normalerweise zwischen Ende Oktober und Ende Dezember. Werden die Oliven also in diesem Zeitraum geerntet und verarbeitet, erhält man ein besonders aromatisches Olivenöl. Dies konnte ich bei meinen Erfahrungen auf Zypern bei einer frühen Ernte (Ende Oktober) und auf Korfu bei der sehr späten Ernte (Ende April) geschmacklich selbst nachvollziehen. Während das Olivenöl auf Zypern frisch, fruchtig, grün und ein wenig bitter daherkam, schmeckte es auf Korfu eher buttrig und alt. Es hatte keine Spuren von Frische und Fruchtigkeit.

 

Also, das für euch beste Olivenöl kann euch in vielen Ländern der Welt begegnen. Es gibt viel zu entdecken in der Welt des Olivenöls. 

In diesem Sinne bleibt neugierig!

Jörn Gutowski

Gründer, TRY FOODS